Identifizierung von Praxisprojekten in Industrie und Handwerk

Die Akquise geeigneter betrieblicher Projekte erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der IHK Arnsberg und dem Bildungswerk Metall.

Im Bereich der Industrie wurden über Kammernetzwerke gezielt Unternehmen mit hoher Innovationskraft angesprochen – etwa solche mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, Patenten oder ausgezeichneten Projekten. In mehreren Gesprächen wurden potenzielle Praxisprojekte identifiziert und dokumentiert. Vertraulichkeit spielte dabei eine zentrale Rolle, da häufig sensible Entwicklungsinformationen betroffen waren.

Im Metallhandwerk und weiteren Handwerken wurden innovative Betriebe über bestehende Netzwerke, Innovationspreise sowie Fachmessen identifiziert. In vielen Fällen konnten Interviews direkt mit den Inhaberinnen und Inhabern oder Projektleitungen geführt werden.

Dieses Vorgehen schafft eine tragfähige Grundlage für die Analyse innovativer Praxisprojekte.

 Ein zentraler Baustein im Projekt DQR-8-BB-EXZELLENZ ist die Frage: Welche Merkmale eines beruflichen Praxisprojekts oder -vorhabens lassen Rückschlüsse auf das Anspruchsniveau einer DQR-Stufe 8 zu?

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Erwerbstätige im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Kompetenzen bis auf die höchste Stufe des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) entwickeln können – insbesondere dann, wenn sie besonders anspruchsvolle und innovative betriebliche Projekte /Vorhaben verantworten.

Innovation als Leitkriterium

Das Leitkriterium der Innovation ist übernommen aus dem Deskriptor der DQR-Stufe 8. Dort heißt es u. a.: „Über Kompetenzen […] zur Entwicklung innovativer Lösungen und Verfahren in einem beruflichen Tätigkeitsfeld verfügen. Die Anforderungsstruktur ist durch neuartige und unklare Problemlagen gekennzeichnet“ (DQR-Handbuch Niveau 8).

Im Mittelpunkt stand daher die Recherche von Praxisprojekten, die von Unternehmen selbst als „außergewöhnlich“ und „innovativ“ beschrieben werden. Die Verbundpartner verstehen Innovation als Entwicklung neuer Lösungen, Verfahren oder Produkte, die über den bisherigen Stand der Branche hinausgehen und relevante Impulse für die Wirtschaft oder die Gesellschaft setzen.

In halbstandardisierten Interviews mit Unternehmensvertretern und Unternehmensvertreterinnen wurden unter anderem folgende Aspekte erhoben:

  • Worin besteht das Innovative des Projekts?
  • Welche fachlichen und persönlichen Kompetenzen und Qualifikationen waren dafür erforderlich?
  • Welche Verantwortung und welcher Autonomiegrad lagen bei den beteiligten Personen?

Über die Dokumentation der Projekte hinaus werden Konstrukte zur Beschreibung der Projekte entwickelt, die Aufschluss über das Anspruchsniveau der Projekte geben.

Methodischer Zugang: Repertory-Grid-Methode

Zur systematischen Auswertung wird die Repertory-Grid-Methode genutzt. Sie hilft Qualitätsmaßstäbe sichtbar zu machen – also Kriterien, nach denen ein Projekt als besonders anspruchsvoll oder innovativ bewertet wird.

In einem mehrstufigen Verfahren werden Projekte miteinander verglichen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und daraus zentrale Beschreibungskonstrukte entwickelt – etwa zur Komplexität, zur Interdisziplinarität oder zur strategischen Reichweite eines Projekts. So entsteht ein differenziertes Bild davon, was Exzellenz in der beruflichen Praxis konkret auszeichnet.